Auszug aus der Festschrift zum 50-jährigen Vereinsjubiläum

Vereinsgeschichte Teil 1

Es war um die Jahreswende 1919/20, als sich einige gleichgesinnte Sportkameraden trafen, um einen schönen Angeltag beim Dämmerschoppen zu beschließen.

Ihr Gespräch – wie konnte es anders sein - kreiste um die Fischwaid. Man erörterte Möglichkeiten, dem Angelsport nachzugehen, und schmiedete Pläne. Bald kristallisierte sich der Wunsch heraus, eine Gemeinschaft zu bilden und Gewässer zum Zwecke der sportlichen Befischung zu pachten oder zu erwerben.

Dieser Gedanke wurde in die Tat umgesetzt: Man gründete den ASV Offenbach mit dem Sitz in Offenbach/M. Zweck und Aufgaben des Vereins sollten nach den damaligen Satzungen sein: "Aufnahme von Sportfischern, welche die Fischwaid aus Liebhaberei mit der Angel oder kleinem Gerät ausüben, ohne dass diese Tätigkeit im steuergesetzgeberischen Sinne Haupt oder Nebenerwerb ist. Verbreitung und Vertiefung sportlichen Angelns. Hege und Pflege des Fischbestandes in heimatlichen Gewässern Pachtung und Kauf von Gewässern zur Ausübung des Angelsportes, von Gelände zur Errichtung von Unterkünften und Erholungsstätten für Mitglieder.

Während man in der Folgezeit eifrig am Vereinsleben teilnahm und die Gewässer der Heimat befischte, blieb das Streben nach einem eigenen Fischwasser zunächst unerfüllt. Erst am 1. 2. 1926 konnte die geplante Pacht verwirklicht werden. Nahe Dettingen, dicht am Main, befand sich eine stillgelegte Tongrube, die durch eine Quelle mit Wasser angefüllt war. Diese pachtete man als erstes Vereinsgewässer.

Das Hochwasser des Mains bescherte diesem Teich fast alljährlich einen reichen Besatz an Fischen aller Art. Hier durften die Petrijünger nach Herzenslust fischen und reiche Beute machen. Dennoch blieb bei manchem Sportfreund die Sehnsucht nach einem Fließwasser mit Edelfischen bestehen.

Das Jahr 1930 sollte für den Verein in mancherlei Beziehung bedeutsam werden. Am 22. Januar 1930 übernahm Emil Fischer die Leitung des Vereins, dem sein Vater Julius Fischer bislang vorgestanden hatte.  Zu gleicher Zeit beschlossen die Mitglieder auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister zu beantragen. Sie wurde Gerichtlicherseits am 5. 2.1930 vorgenommen.

Das für die Mitglieder wohl wichtigste Ereignis dieses Jahres war allerdings ein anderes. Man konnte am      1. 3. 1930 ein Teilstück der Kinzig vom Hochholz Langenselbold bis zum Straßenzug Niedermittlau-Meerholz in einer Länge von 3,7 km pachten.

Es war ein herrliches Fließwasser, fischreich und inmitten einer wunderschönen Landschaft weitab von jeder Siedlung. Wurde der Angler hier oben beim Fischen vom Unwetter überrascht, so blieb ihm nur der Brückenbogen über der Kinzig als Schutz vor den Unbilden der Witterung.

Dies änderte sich jedoch bald. Die Vereinsmitglieder erbauten eine Unterkunft mit Koch- und Schlafgelegenheit: Das Vereinsheim an der Kinzig !

Nun war der Verein zwar im Besitz zweier schöner Gewässer, nur lagen sie weit von der Heimatstadt Offenbach entfernt. So stellte sich immer wieder die Frage: Wie komme ich ans Wasser? Autobesitzer gab es kaum. Wollte man die mühselige Anfahrt mit dem Fahrrad vermeiden, so blieb nur die Bahn. Also ging es Samstags mit dem letzten Zug nach Dettingen.

Die Zeit bis zum Morgengrauen wurde mit einem Schoppen beim "Julchen„ überbrückt, und zu früher Stunde erfolgte der Aufbruch zur Tongrube.

Auch der Weg zur Kinzig war weit. Was lag da näher, als nach einem Gewässer in der Umgebung Offenbachs Ausschau zu halten?

Durch Vermittlung der beiden Vereinsmitglieder Dr. Laska und Dr. Klappert ergab sich die Gelegenheit,

am 1. 10. 1936 die "Kiesgrube Bürgel" in der Gemarkung Rumpenheim als Vereinswasser zu pachten. Sie wurde zunächst mit Karpfen, Schleien und Weißfischen besetzt, ab 1936 mit Zandern und Junghechten. Bereits 1939 konnte man Hechte über 6 Pfund, 1942 sogar von 12 Pfund erbeuten.

An der Kinzig war man zu dieser Zeit mit dem Ausbau des Vereinsheimes beschäftigt. Doch kamen hier bald Ereignisse auf die Mitglieder zu, die sie mit Besorgnis erfüllten. Hinter dem Vereinsheim sollte die Kinzig mittels eines Durchstiches reguliert werden, um einen schnelleren Abfluss des Wassers zu erzielen. Hierdurch hoffte man, den neuerbauten Flugplatz in Lieblos hochwasserfrei zu machen. Es bedurfte langer Bemühungen, bis ein Durchflussrohr vom Kanal zum abgetrennten Altarm verlegt wurde und somit das alte Kinzigbett der Befischung vorerst erhalten blieb.

Die Zahl der Mitglieder wuchs ständig, es herrschte gute Sportkameradschaft und die Fischwaid war ertragreich.

Der 2. Weltkrieg kam.

Sportkamerad Emil Fischer, der bis dahin dem Verein vorstand, verlegte seinen Wohnsitz nach Lohr (Baden). An seine Stelle als Vorsitzender trat am 15. 9. 1942 Willi Krafft.

Er behielt sein Amt bis Kriegsende.

Die Bilanz nach Beendigung des Krieges war erschütternd, überall wurden die Spuren der Kriegsereignisse sichtbar. Die Reihen der Mitglieder hatten sich gelichtet, das Vereinsleben war zerrüttet, das Vereinsheim an der Kinzig dem Erdboden gleichgemacht.

Jeder trug seine eigenen Sorgen mit sich herum. Erst nach geraumer Zeit gelang es, dem Vereinsleben neuen Antrieb zu verleihen, den Verein zu ordnen und den vor dem Kriege abgeschlossenen Verträgen Geltung zu verschaffen.

Bei dieser Aufgabe machte sich Dr. Stein, Kultusminister in Hessen, ganz besonders verdient. Er erklärte sich am 16.12.1945 bereit, als Vorsitzender die Geschicke des Vereins zu lenken. Der Fortbestand des ASV Offenbach und die Erhaltung seiner Fischereigewässer sind in erster Linie sein Verdienst.

Als Sportkamerad Dr. Stein infolge seiner Berufung zum Bundesrichter Offenbach verließ, übernahm E. Strauch am 30. 1. 1949 den Vorsitz des Vereins.

Am 7. 2. 1951 wählten die Mitglieder Willi Holmig zum Vereinsvorsitzenden. In diese Zeit fällt der Wiederaufbau des zerstörten Vereinsheimes an der Kinzig.

Sportkamerad Holmig wurde bei diesem Unternehmen von seinen Mitgliedern tatkräftig unterstützt, vor allem vom 2. Vorsitzenden W. Sperl und den Sportkameraden Röder, Bauer, Geyer und Weidner.

Mancher Angeltag fiel dem Aufbau zum Opfer, aber am Ende waren alle froh und stolzauf das neuerstandene Vereinsheim.

W. Holmig konnte dem Verein nur kurze Zeit vorstehen. Als er 1954 überraschend verstarb, hinterließ er eine spürbare Lücke. Sein Stellvertreter übernahm nun die Leitung des Vereins, Will Geyer am 4. 2. 1955 zum Vorsitzenden gewählt wurde.

Während seiner Amtszeit erweiterte man das Vereinsheim und schuf eine Uferbefestigung für das Haus, da die reißenden Hochwasser der Kinzig das Ufer unterspülten.

Die Kiesgrube Bürgel war inzwischen zu einem großen Gewässern geworden, und ihr Fischreichtum lockte manchen Angler. So ist es nicht verwunderlich, dass der ASV Fechenheim sein Interesse für dieses Wasser zeigte.

Auf Wunsch der Farbwerke Casella Fechenheim, denen ein Teil der Kiesgrube gehört, wurde der ASV Fechenheim Mitpächter.

Im ASV Offenbach versuchte man weiterhin neue Pachtgewässer zu gewinnen. Erst  im Januar 1957 gelang es dem zum Vorsitzenden gewählten Oskar Kühnle, die Kiesgrube Heusenstamm in Pacht zu nehmen.

Dies geschah am 1. 1. 1960.

Der dort eingebrachte Neubesatz an Zandern, Karpfen. Schleien und Weißfischen entwickelte sich gut und ließ den Weiher bald zu einem vorzüglichen Fischwasser heranwachsen.

An der Kinzig war der durch die Regulierung entstandene Altarm inzwischen völlig verschlammt und verwachsen. Man konnte ihn nicht mehr befischen Überdies benutze die Gemeinde Rothenbergen ihn als Schuttabladeplatz. Nur den anhaltenden Bemühungen des Vereinsvorsitzenden Oskar Kühnle und seiner nie ermüdenden Bereitschaft, die Belange des Vereines zu vertreten, ist es zu verdanken, dass der Altarm ausgebaggert und an den Ufern gesäubert wurde. Heute bietet das Altwasser den Mitgliedern wieder gute Angelmöglichkeiten.

Hier an der Kinzig konnte ein Fischwasser der Nutzung zurückgewonnen werden. Dennoch sinkt die Zahl der  befischbaren Gewässer infolge industrieller Verschmutzung immer mehr.

Anderseits verstärkt der Zuwachs an Sportanglern - bedingt durch vermehrte Freizeit –  die Nachfrage nach Angelgewässern ständig. Dies wiederum bringt Unsicherheit für die Zukunft im Hinblick auf die Erhaltung der Pachtverträge.

So kam man im engeren Vorstand zu der Erkenntnis, dass auf die Dauer nur ein Vereinseigenes Gewässer den Mitgliedern die Möglichkeit zur Ausübung der Fischwaid mit Sicherheit verbürgen kann. Man ist daher bemüht, ein solches Wasser zu erhalteten.

Möge den Bestrebungen des Vorstandes zum Wohle aller Vereinsmitglieder Erfolg beschieden sein.

Im Dezember 1970 unsere Mitglieder Geyer - Götting

                                                                                        

Auszug aus der Festschrift zum 75-jährigen Vereinsjubiläum

Vereinsgeschichte Teil 2

Im Spätjahr 1919 trafen sich, nach einem (mehr oder weniger erfolgreichen) Angeltag, einige Sportfreunde zu einer Stammtischrunde. An dem für "Angler, Jäger und andere Lügner" reservierten Tisch "fachsimpelte" man dann auch rund um den Angelsport.

Es ergab sich im Verlauf des Abends sehr schnell, dass weniger das "Wie fange ich Fische ?, sondern "in welchen Gewässern kann man überhaupt fischen?", das Hauptanliegen der Petri Jünger war.

Angelsportvereine, mit entsprechenden Angelmöglichkeiten, gab es in unserer Region noch nicht, und ein Pacht-gewässer war für den Einzelnen unerschwinglich.

So kam man zu dem Schluss, dass mehrere Sportkameraden zusammen eher die finanzielle Möglichkeit hätten, ein Gewässer anzupachten. Was lag also näher, als selbst eine organisierte Gemeinschaft zu bilden. Diese Überlegung wurde kurzerhand in die Tat umgesetzt.

Fünf Sportkameraden gründeten noch Ende 1919 den Angelsportverein Offenbach 1919, mit Sitz Offenbach am Main.

Zweck und Aufgabe sollte nach der damaligen Satzung sein: ,Aufnahme von Sportfischern, welche die Fischwaid aus Liebhaberei mit der Angel oder kleinem Gerät ausüben, ohne dass diese Tätigkeit im steuergesetzgeberischen Sinne Haupt oder Nebenerwerb ist. Verbreitung und Vertiefung sportlichen Angelns. Hege und Pflege des Fischbestandes in heimatlichen Gewässern und Pachtung und Kauf von Gewässern zur Ausübung des Angelsportes, von Gelände zur Errichtung von Unterkünften und Erholungsstätten für Mitglieder."

Damit waren die Weichen für unseren heutigen Verein gestellt.

Der Wunsch nach einem Vereinsgewässer blieb jedoch bis zum Jahre 1926 unerfüllt. Erst am 1. Januar 1926 gelang es dann dem Verein, eine stillgelegte Tongrube in der Gemarkung Kleinostheim anzupachten.

Diese Tongrube wurde von Quellen gespeist, die für ausgezeichnete Wasserqualität und guten Wasserstand sorgten. Darüber hinaus brachte das Hochwasser, das alljährlich über Damm und Verbindungsgraben in den See strömte, einen guten (und vor allen Dingen kostenlosen) Besatz mit allen im Main vorhandenen Fischarten.

Die idyllische Lage des Gewässers, verbunden mit guten Fangerfolgen, hatte sich schnell in Anglerkreisen herumgesprochen. Die Mitgliederzahl nahm daraufhin ständig zu, und man beschloss den Eintrag in das Vereinsregister, welcher am 5. Februar 1930 beim Amtsgericht in Offenbach erfolgte. Kurz darauf bestand erneut Grund zum Feiern.

Am 1. März 1930 konnte ein Teilstück der Kinzig  3,7 km, vom Hochwald Langenselbold bis Straßenzug Niedermittlau-Meerholz  angepachtet werden. Nun stand dem Verein zusätzlich ein herrliches, naturbelassenes Fließgewässer zur Verfügung.

Die Freude, dort fischen zu können, wurde jedoch etwas getrübt. Die Anfahrt war aufgrund der damaligen Verkehrsverbindungen beschwerlich, und da kaum ein Mitglied ein Auto hatte, musste man sich mit Bahn oder Fahrrad begnügen. Dies schränkte natürlich die Transportmöglichkeiten für Angelutensilien, Verpflegung und insbesondere Wetterschutzausrüstung erheblich ein. Meinte es Petrus einmal nicht gut mit seinen Jüngern, konnte man nur unter der Kinzigbrücke Unterschlupf suchen. Deshalb beschlossen die Kameraden, ein kleines Vereinsheim zu bauen, welches dann auch Übernachtungsmöglichkeit und Kochgelegenheit bieten sollte.

Dazu fehlte allerdings noch ein geeignetes Grundstück. Der Verein wandte sich daraufhin mit dem Anliegen an die Gemeinde Rothenbergen. Hier zeigte man sich dem vorgetragenen Problem gegenüber sehr aufgeschlossen, und stellte ein Pachtgelände direkt an der Kinzig zur Verfügung.

Mit dem Bau wurde umgehend begonnen, und nach recht kurzer Zeit hatte sich der persönliche und finanzielle Einsatz gelohnt. Den Mitgliedern stand nun eine kleine, aber gemütliche Unterkunft zur Verfügung.

Das Beförderungsproblem plagte jedoch weiterhin, da beide Gewässer Kinzig und Kleinostheim  über 30 km von Offenbach entfernt lagen.

Man hielt deshalb auch nach einem Gewässer im Heimatkreis Ausschau. Am 1. Oktober 1936 hatten die Bemühungen Erfolg. Die Kiesgrube Bürgel, genannt "Schultheiß-Weiher" in der Gemarkung Rumpenheim konnte für den Verein angepachtet werden. Dort war bereits ein natürlicher Bestand von Karpfen, Schleien und Weißfischen vorhanden. Der Verein besetzte das Gewässer ab Ende 1936 zusätzlich mit Zandern und Junghechten. Die Wasserqualität war hervorragend, die Fische wuchsen gut ab, und bereits Anfang der 40er Jahre konnten Hechte bis zu 6 kg erbeutet werden.

In die Anfänge der 40er Jahre fiel auch der weitere Ausbau des Vereinsheimes.

Dann kam ein tiefer Einschnitt in der Vereinsgeschichte. Der 2. Weltkrieg brach aus. Auch unser Verein wurde von den Kriegsereignissen nicht verschont. Das noch kurz zuvor erweiterte Vereinsheim wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter vielen Entbehrungen in den Nachkriegsjahren.

In diesen Jahren vergrößerte sich die Wasserfläche der Kiesgrube Bürgel. Es wurde wieder ausgebaggert und zusätzlich ein Grundstück der Casella-Farbwerke mit einbezogen.

Durch die Erweiterung konnte nun auch weiteren Sportkameraden die Möglichkeit geboten werden, ihrem Hobby in Stadtnähe nachzugehen. 1957 wurde auf Wunsch der Casella-Farbwerke der

ASV Frankfurt-Fechenheim Mitpächter des Schultheiß-Weihers.

In den 60er Jahren erfolgte dann auch der weitere Ausbau des Vereinsheims.

Die Bemühungen um ein weiteres Gewässer im Einzugsgebiet von Offenbach blieben nicht erfolglos. Die Stadt Heusenstamm verpachtete uns 1960 für 12 Jahre die Kiesgrube des Grafen von Schönborn in der Gemarkung Heusenstamm. Jedoch litt unsere Sportausübung hier besonders im Sommer durch Badegäste und wurde später zusätzlich durch die Ausweisung als Vogelschutzgebiet eingeschränkt.

Deshalb kam man bereits zu diesem Zeitpunkt im Vorstand zu dem Schluss, dass künftig wohl nur Eigentum die Gewähr bietet, den Angelsport weitgehend unbeeinträchtigt ausüben zu können.

Der berechtigte Anlass zu diesen Überlegungen zeigte sich dann auch 1972.

Der Verein verlor die Fischrechte an dem Heusenstammer Gewässer, da das betreffende Areal durch das Land Hessen als ornithologisches Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde                                                                                              

Es ist dem Vorsitzenden Oskar Kühnle verdanken, dass in den Folgejahren der Traum vom Gewässereigentum verwirklicht werden konnte.

Zunächst gelang durch seine Initiative in den Jahren 1969-71 der Ankauf von 3,7 ha landwirtschaftlichem Gelände und teilweisem Brach und Sumpfland in der Gemarkung Nieder Gründau und Langenselbold. Der Vorsitzende führte in diesen drei Jahren langwierige und zeitaufwendige Verhandlungen mit den insgesamt einundzwanzig Parzellen-Eigentümern und konnte diese letztendlich mit einem notariellen Kaufvertrag abschließen.


Die Planung sah nun vor, auf diesem Gelände eine Teichanlage auszuheben. Innerhalb der gegebenen Möglichkeiten und gesetzlicher Auflagen wollten wir diese nach eigenen Vorstellung anlegen. Doch es sollte anders kommen. Nach abgeschlossener Planung, kurz vor Baubeginn, machte uns das Land Hessen erneut einen "Strich durch die Rechnung". Unsere kurz zuvor erworbenen Grundstücke wurden in das Naturschutzgebiet Gründau Aue einbezogen und damit die Durchführung des Projektes vereitelt. Damit war auch das Gelände für die vom Verein geplanten Zwecke wertlos geworden. Der Wunsch nach einem "Eigentumsgewässer" war zunächst gescheitert. Das Land Hessen bot dann dem Verein eine Entschädigung an, deren Höhe jedoch unter unseren Aufwendungen lag.

Der Vorsitzende bemühte sich weiterhin um zusätzliche Gewässer, und 1973 gelang ihm die Anpachtung des Kessler Gewässers in Babenhausen. Diese Kiesgrube hatte noch keinen Fischbestand und wurde von uns wegen der ausgezeichneten Wasserqualität zunächst mit Zandern und Weißfischen, später mit Forellen und Karpfen besetzt.

Sieben Jahre später, 1980, konnten wir einen Teilbereich der Kiesgrube Schumann anpachten, weiche damals direkt an das Kessler Gewässer angrenzte. Durch weitere Auskiesung in den folgenden Jahren wuchs die Wasserfläche unserer Pachtgrundstücke auf 5 ha an.

In diesem Jahr sollte dann auch endlich der Wunsch aller Mitglieder in Erfüllung gehen.  Der Erwerb eines eigenen Gewässers. Der Verein konnte das Wasser und Fischereirecht an der Kinzig (3,1 km zwischen Rothenbergen und Langenselbold) für beide Uferseiten käuflich erwerben.

Diesem Kauf schloss sich bereits 1982 ein weiterer an. Wir konnten an unserem bisherigen Pachtgewässer Schumann für die Parzelle 242 das Eigentum erwerben und für Parzelle 243 eine Kaufoption erlangen, die wir 1988 einlösten. Dies war nur dank der Hilfe vieler Mitglieder möglich, die dem Verein ein zinsloses Darlehen zur Verfügung stellten.


In den Folgejahren wuchsen die Gewässer durch permanente Auskiesung zu einer stattlichen Seenplatte zusammen, deren Wasserfläche heute ca. 20 ha beträgt. Diese räumliche Entwicklung bedingte eine geordnete Bewirtschaftung des Gesamtgewässers. Für unseren Verein allein wären optimale Besatzmaßnahmen, sowie Instand und Sauberhaltung der Uferzonen und Wege nicht möglich gewesen.

So pachtete 1988 der mit uns befreundete Angelsportverein Frankfurt Fechenheim-Bischofsheim das Südufer dieser Seenplatte, die inzwischen "Kieselsee" getauft wurde. Die erfolgte Kooperation unserer Vereine ermöglichte und sichert die gemeinsame Bewirtschaftung zunächst bis zum Jahre 2005.

Um an diesem See die anteiligen Besatzkosten weiter zu reduzieren, beschloss der Verein den Bau eines Fischzuchtgeheges. Die Anlage wurde in den letzten Jahren erfolgreich betrieben, musste jedoch aus Gründen der weiteren Auskiesung z.Zt. eingestellt werden.

Die Vereinsaktivitäten beschränken sich jedoch nicht auf die bislang aufgezeigten Unternehmungen.

Darüber hinaus nimmt der Naturschutz einen breiten Raum in unserem Wirken ein. Schon sehr frühzeitig (und vor dem Erlass des Bundesnaturschutzgesetzes) entwickelten wir Aktivitäten auf dem Gebiet des Umwelt, Natur und Gewässerschutzes. Die Sportfischer gehören nicht umsonst dem Naturschutzbund nach § 29 an, auch wenn dies manchen "Naturschützern" ein Dorn im Auge ist.

So wurde 1968 durch unsere Initiative  nach langen vorhergehenden Behördenbesprechungen und durch Einschaltung des Regierungspräsidenten in Darmstadt die Renaturierung des Altarmes der Kinzig bei Rothenbergen erreicht.

Der Altarm wurde durch die Anrainer als Mülldeponie benutzt und mit Schrott, Haus und Industriemüll etc. verfüllt. Gemeinsam mit der Gemeinde Rothenbergen wurde der Altarm dann gesäubert. Im finanziellen Bereich entlasteten wir die Gemeinde mit 20.000,- DM an den Gesamtkosten von 55.000,- DM. Als manuellen Beitrag verrichteten unsere Mitglieder zahlreiche Arbeitsstunden. Dieser Altarm ist heute Biotop für Vögel, Insekten, Lurche und Fische, die hier hervorragende Brut und Laichplätze finden.

Dass dies keine Einzelmaßnahme war, möchten wir noch an einigen anderen Beispielen verdeutlichen.

Der an dem Pachtgewässer Kleinostheim in den Anfängen bestehende doch recht karge Baumbestand wurde in Eigenleistung aufgeforstet und in der Uferregion durch Büsche ergänzt. Dies nicht nur zum Nutzen der Angler, sondern auch der heimischen Tierwelt. Als an diesem Gewässer in den Jahren 1977 und 1992 der Wasserstand, durch mehrere Faktoren bedingt, extrem absank, schritt unser Verein regulierend ein. In einem beispiellosen Einsatz pumpten wir 1977 mit Hilfe mehrerer Feuerwehraggregate ca. 20 Millionen Ltr. Mainwasser in den Teich und retteten die Fische.  Eine ähnliche Situation trat 1992 ein, die wir nach dem gleichen Verfahren lösen konnten.

Erwähnenswert sind auch die Rekultivierungsarbeiten am Kieselsee in Babenhausen, die 1989/90 durchgeführt wurden.

Die Uferböschung in Höhe der Parzelle 242 wurde mit ca. 1.200 Bäumen und Büschen bepflanzt, und bringt eine Bereicherung des vormals eintönigen Landschaftsbildes und für Vögel und Tierwelt Nist und Schutzplätze. Diese Neuanpflanzungen werden nach Beendigung der Ausbaggerung und Uferneuanlegung fortgesetzt.

Diese Beispiele zeigen, dass wir Sportfischer, in der Öffentlichkeit medienpolitisch oft gerügt und angeprangert, erhebliche Beiträge für Natur, Umwelt und Gewässerschutz leisten.

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Teil 3 1994 – 2004          folgt später