Auszug aus
der Festschrift zum 50-jährigen Vereinsjubiläum
Vereinsgeschichte Teil 1
Es war um die Jahreswende 1919/20, als
sich einige gleichgesinnte Sportkameraden trafen, um einen
schönen Angeltag beim Dämmerschoppen zu beschließen.
Ihr Gespräch – wie konnte es anders sein - kreiste um
die Fischwaid. Man erörterte Möglichkeiten, dem Angelsport
nachzugehen, und schmiedete Pläne. Bald kristallisierte
sich der Wunsch heraus, eine Gemeinschaft zu bilden und
Gewässer zum Zwecke der sportlichen Befischung zu pachten
oder zu erwerben.
Dieser Gedanke wurde in die Tat umgesetzt: Man gründete den
ASV Offenbach mit dem Sitz in Offenbach/M. Zweck und
Aufgaben des Vereins sollten nach den damaligen Satzungen
sein: "Aufnahme von Sportfischern, welche die Fischwaid aus
Liebhaberei mit der Angel oder kleinem Gerät ausüben, ohne
dass diese Tätigkeit im steuergesetzgeberischen Sinne Haupt
oder Nebenerwerb ist. Verbreitung und Vertiefung
sportlichen Angelns. Hege und Pflege des Fischbestandes in
heimatlichen Gewässern Pachtung und Kauf von Gewässern zur
Ausübung des Angelsportes, von Gelände zur Errichtung von
Unterkünften und Erholungsstätten für Mitglieder.
Während man in der Folgezeit eifrig am Vereinsleben
teilnahm und die Gewässer der Heimat befischte, blieb das
Streben nach einem eigenen Fischwasser zunächst unerfüllt.
Erst am 1. 2. 1926 konnte die geplante
Pacht verwirklicht werden. Nahe Dettingen, dicht am Main,
befand sich eine stillgelegte Tongrube, die durch eine
Quelle mit Wasser angefüllt war. Diese pachtete man als
erstes Vereinsgewässer.
Das Hochwasser des Mains bescherte diesem Teich fast
alljährlich einen reichen Besatz an Fischen aller Art. Hier
durften die Petrijünger nach Herzenslust fischen und reiche
Beute machen. Dennoch blieb bei manchem Sportfreund die
Sehnsucht nach einem Fließwasser mit Edelfischen bestehen.
Das Jahr 1930 sollte für den Verein in mancherlei Beziehung
bedeutsam werden. Am 22. Januar 1930
übernahm Emil Fischer die Leitung des Vereins, dem
sein Vater Julius Fischer bislang vorgestanden
hatte. Zu gleicher Zeit beschlossen die
Mitglieder auf einer außerordentlichen Hauptversammlung,
die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister zu
beantragen. Sie wurde Gerichtlicherseits am 5.
2.1930 vorgenommen.
Das für die Mitglieder wohl wichtigste Ereignis dieses
Jahres war allerdings ein anderes. Man konnte am
1. 3. 1930 ein Teilstück der Kinzig
vom Hochholz Langenselbold bis zum Straßenzug
Niedermittlau-Meerholz in einer Länge von 3,7 km
pachten.
Es war ein herrliches Fließwasser, fischreich und inmitten
einer wunderschönen Landschaft weitab von jeder Siedlung.
Wurde der Angler hier oben beim Fischen vom Unwetter
überrascht, so blieb ihm nur der Brückenbogen über der
Kinzig als Schutz vor den Unbilden der Witterung.
Dies änderte sich jedoch bald. Die Vereinsmitglieder
erbauten eine Unterkunft mit Koch- und Schlafgelegenheit:
Das Vereinsheim an der Kinzig !
Nun war der Verein zwar im Besitz zweier schöner Gewässer,
nur lagen sie weit von der Heimatstadt Offenbach entfernt.
So stellte sich immer wieder die Frage: Wie komme ich ans
Wasser? Autobesitzer gab es kaum. Wollte man die mühselige
Anfahrt mit dem Fahrrad vermeiden, so blieb nur die Bahn.
Also ging es Samstags mit dem letzten Zug nach Dettingen.
Die Zeit bis zum Morgengrauen wurde mit einem Schoppen beim
"Julchen„ überbrückt, und zu früher Stunde erfolgte
der Aufbruch zur Tongrube.
Auch der Weg zur Kinzig war weit. Was lag da näher, als
nach einem Gewässer in der Umgebung Offenbachs Ausschau zu
halten?
Durch Vermittlung der beiden Vereinsmitglieder Dr. Laska
und Dr. Klappert ergab sich die Gelegenheit,
am 1. 10. 1936 die "Kiesgrube Bürgel" in der
Gemarkung Rumpenheim als Vereinswasser zu pachten.
Sie wurde zunächst mit Karpfen, Schleien und Weißfischen
besetzt, ab 1936 mit Zandern und Junghechten. Bereits 1939
konnte man Hechte über 6 Pfund, 1942 sogar von 12 Pfund
erbeuten.
An der Kinzig war man zu dieser Zeit mit dem Ausbau des
Vereinsheimes beschäftigt. Doch kamen hier bald Ereignisse
auf die Mitglieder zu, die sie mit Besorgnis erfüllten.
Hinter dem Vereinsheim sollte die Kinzig mittels eines
Durchstiches reguliert werden, um einen schnelleren Abfluss
des Wassers zu erzielen. Hierdurch hoffte man, den
neuerbauten Flugplatz in Lieblos hochwasserfrei zu machen.
Es bedurfte langer Bemühungen, bis ein Durchflussrohr vom
Kanal zum abgetrennten Altarm verlegt wurde und somit das
alte Kinzigbett der Befischung vorerst erhalten blieb.
Die Zahl der Mitglieder wuchs ständig, es herrschte gute
Sportkameradschaft und die Fischwaid war ertragreich.
Der 2. Weltkrieg kam.
Sportkamerad Emil Fischer, der bis dahin dem Verein
vorstand, verlegte seinen Wohnsitz nach Lohr (Baden). An
seine Stelle als Vorsitzender trat am 15. 9. 1942
Willi Krafft.
Er behielt sein Amt bis Kriegsende.
Die Bilanz nach Beendigung des Krieges war erschütternd,
überall wurden die Spuren der Kriegsereignisse sichtbar.
Die Reihen der Mitglieder hatten sich gelichtet, das
Vereinsleben war zerrüttet, das Vereinsheim an der Kinzig
dem Erdboden gleichgemacht.
Jeder trug seine eigenen Sorgen mit sich herum. Erst nach
geraumer Zeit gelang es, dem Vereinsleben neuen Antrieb zu
verleihen, den Verein zu ordnen und den vor dem Kriege
abgeschlossenen Verträgen Geltung zu verschaffen.
Bei dieser Aufgabe machte sich Dr. Stein,
Kultusminister in Hessen, ganz besonders verdient. Er
erklärte sich am 16.12.1945 bereit, als Vorsitzender die
Geschicke des Vereins zu lenken. Der Fortbestand
des ASV Offenbach und die Erhaltung seiner
Fischereigewässer sind in erster Linie sein Verdienst.
Als Sportkamerad Dr. Stein infolge seiner Berufung zum
Bundesrichter Offenbach verließ, übernahm E.
Strauch am 30. 1. 1949 den Vorsitz des Vereins.
Am 7. 2. 1951 wählten die Mitglieder Willi Holmig zum
Vereinsvorsitzenden. In diese Zeit fällt der Wiederaufbau
des zerstörten Vereinsheimes an der Kinzig.
Sportkamerad Holmig wurde bei diesem Unternehmen von seinen
Mitgliedern tatkräftig unterstützt, vor allem vom
2. Vorsitzenden W. Sperl und den
Sportkameraden Röder, Bauer, Geyer und Weidner.
Mancher Angeltag fiel dem Aufbau zum Opfer, aber am Ende
waren alle froh und stolzauf das neuerstandene Vereinsheim.
W. Holmig konnte dem Verein nur kurze Zeit vorstehen. Als
er 1954 überraschend verstarb, hinterließ er eine spürbare
Lücke. Sein Stellvertreter übernahm nun die Leitung
des Vereins, Will Geyer am 4. 2. 1955 zum Vorsitzenden
gewählt wurde.
Während seiner Amtszeit erweiterte man das Vereinsheim und
schuf eine Uferbefestigung für das Haus, da die reißenden
Hochwasser der Kinzig das Ufer unterspülten.
Die Kiesgrube Bürgel war inzwischen zu einem großen
Gewässern geworden, und ihr Fischreichtum lockte manchen
Angler. So ist es nicht verwunderlich, dass der ASV
Fechenheim sein Interesse für dieses Wasser zeigte.
Auf Wunsch der Farbwerke Casella Fechenheim, denen ein Teil
der Kiesgrube gehört, wurde der ASV Fechenheim Mitpächter.
Im ASV Offenbach versuchte man weiterhin neue Pachtgewässer
zu gewinnen. Erst im Januar 1957
gelang es dem zum Vorsitzenden gewählten Oskar
Kühnle, die Kiesgrube Heusenstamm in Pacht zu
nehmen.
Dies geschah am 1. 1. 1960.
Der dort eingebrachte Neubesatz an Zandern, Karpfen.
Schleien und Weißfischen entwickelte sich gut und ließ den
Weiher bald zu einem vorzüglichen Fischwasser heranwachsen.
An der Kinzig war der durch die Regulierung entstandene
Altarm inzwischen völlig verschlammt und verwachsen. Man
konnte ihn nicht mehr befischen Überdies benutze die
Gemeinde Rothenbergen ihn als Schuttabladeplatz. Nur den
anhaltenden Bemühungen des Vereinsvorsitzenden Oskar Kühnle
und seiner nie ermüdenden Bereitschaft, die Belange des
Vereines zu vertreten, ist es zu verdanken, dass der Altarm
ausgebaggert und an den Ufern gesäubert wurde. Heute bietet
das Altwasser den Mitgliedern wieder gute
Angelmöglichkeiten.
Hier an der Kinzig konnte ein Fischwasser der Nutzung
zurückgewonnen werden. Dennoch sinkt die Zahl der
befischbaren Gewässer infolge industrieller Verschmutzung
immer mehr.
Anderseits verstärkt der Zuwachs an Sportanglern - bedingt
durch vermehrte Freizeit – die Nachfrage nach
Angelgewässern ständig. Dies wiederum bringt Unsicherheit
für die Zukunft im Hinblick auf die Erhaltung der
Pachtverträge.
So kam man im engeren Vorstand zu der Erkenntnis, dass auf
die Dauer nur ein Vereinseigenes Gewässer den Mitgliedern
die Möglichkeit zur Ausübung der Fischwaid mit Sicherheit
verbürgen kann. Man ist daher bemüht, ein solches Wasser zu
erhalteten.
Möge den Bestrebungen des Vorstandes zum Wohle aller
Vereinsmitglieder Erfolg beschieden sein.
Im Dezember 1970 unsere Mitglieder Geyer - Götting
Auszug aus der Festschrift zum 75-jährigen
Vereinsjubiläum
Vereinsgeschichte Teil 2
Im Spätjahr 1919 trafen sich, nach einem
(mehr oder weniger erfolgreichen) Angeltag, einige
Sportfreunde zu einer Stammtischrunde. An dem für "Angler,
Jäger und andere Lügner" reservierten Tisch "fachsimpelte"
man dann auch rund um den Angelsport.
Es ergab sich im Verlauf des Abends sehr schnell, dass
weniger das "Wie fange ich Fische ?, sondern "in welchen
Gewässern kann man überhaupt fischen?", das Hauptanliegen
der Petri Jünger war.
Angelsportvereine, mit entsprechenden Angelmöglichkeiten,
gab es in unserer Region noch nicht, und ein Pacht-gewässer
war für den Einzelnen unerschwinglich.
So kam man zu dem Schluss, dass mehrere Sportkameraden
zusammen eher die finanzielle Möglichkeit hätten, ein
Gewässer anzupachten. Was lag also näher, als selbst eine
organisierte Gemeinschaft zu bilden. Diese Überlegung wurde
kurzerhand in die Tat umgesetzt.
Fünf Sportkameraden gründeten noch Ende 1919 den
Angelsportverein Offenbach 1919, mit Sitz Offenbach am
Main.
Zweck und Aufgabe sollte nach der damaligen Satzung sein:
,Aufnahme von Sportfischern, welche die Fischwaid aus
Liebhaberei mit der Angel oder kleinem Gerät ausüben, ohne
dass diese Tätigkeit im steuergesetzgeberischen Sinne Haupt
oder Nebenerwerb ist. Verbreitung und Vertiefung
sportlichen Angelns. Hege und Pflege des Fischbestandes in
heimatlichen Gewässern und Pachtung und Kauf von Gewässern
zur Ausübung des Angelsportes, von Gelände zur Errichtung
von Unterkünften und Erholungsstätten für Mitglieder."
Damit waren die Weichen für unseren heutigen Verein
gestellt.
Der Wunsch nach einem Vereinsgewässer blieb jedoch bis zum
Jahre 1926 unerfüllt. Erst am 1. Januar 1926 gelang
es dann dem Verein, eine stillgelegte Tongrube in der
Gemarkung Kleinostheim anzupachten.
Diese Tongrube wurde von Quellen gespeist, die für
ausgezeichnete Wasserqualität und guten Wasserstand
sorgten. Darüber hinaus brachte das Hochwasser, das
alljährlich über Damm und Verbindungsgraben in den See
strömte, einen guten (und vor allen Dingen kostenlosen)
Besatz mit allen im Main vorhandenen Fischarten.
Die idyllische Lage des Gewässers, verbunden mit guten
Fangerfolgen, hatte sich schnell in Anglerkreisen
herumgesprochen. Die Mitgliederzahl nahm daraufhin ständig
zu, und man beschloss den Eintrag in das
Vereinsregister, welcher am 5. Februar 1930 beim
Amtsgericht in Offenbach erfolgte. Kurz darauf
bestand erneut Grund zum Feiern.
Am 1. März 1930 konnte ein Teilstück der
Kinzig 3,7 km, vom Hochwald Langenselbold bis
Straßenzug Niedermittlau-Meerholz angepachtet
werden. Nun stand dem Verein zusätzlich ein
herrliches, naturbelassenes Fließgewässer zur Verfügung.
Die Freude, dort fischen zu können, wurde jedoch etwas
getrübt. Die Anfahrt war aufgrund der damaligen
Verkehrsverbindungen beschwerlich, und da kaum ein Mitglied
ein Auto hatte, musste man sich mit Bahn oder Fahrrad
begnügen. Dies schränkte natürlich die
Transportmöglichkeiten für Angelutensilien, Verpflegung und
insbesondere Wetterschutzausrüstung erheblich ein. Meinte
es Petrus einmal nicht gut mit seinen Jüngern, konnte man
nur unter der Kinzigbrücke Unterschlupf suchen. Deshalb
beschlossen die Kameraden, ein kleines Vereinsheim zu
bauen, welches dann auch Übernachtungsmöglichkeit und
Kochgelegenheit bieten sollte.
Dazu fehlte allerdings noch ein geeignetes Grundstück. Der
Verein wandte sich daraufhin mit dem Anliegen an die
Gemeinde Rothenbergen. Hier zeigte man sich dem
vorgetragenen Problem gegenüber sehr aufgeschlossen, und
stellte ein Pachtgelände direkt an der Kinzig zur
Verfügung.
Mit dem Bau wurde umgehend begonnen, und nach recht kurzer
Zeit hatte sich der persönliche und finanzielle Einsatz
gelohnt. Den Mitgliedern stand nun eine kleine, aber
gemütliche Unterkunft zur Verfügung.
Das Beförderungsproblem plagte jedoch weiterhin, da beide
Gewässer Kinzig und Kleinostheim über 30 km von
Offenbach entfernt lagen.
Man hielt deshalb auch nach einem Gewässer im Heimatkreis
Ausschau. Am 1. Oktober 1936 hatten die Bemühungen
Erfolg. Die Kiesgrube Bürgel, genannt "Schultheiß-Weiher"
in der Gemarkung Rumpenheim konnte für den Verein
angepachtet werden. Dort war bereits ein
natürlicher Bestand von Karpfen, Schleien und Weißfischen
vorhanden. Der Verein besetzte das Gewässer ab Ende 1936
zusätzlich mit Zandern und Junghechten. Die Wasserqualität
war hervorragend, die Fische wuchsen gut ab, und bereits
Anfang der 40er Jahre konnten Hechte bis zu 6 kg erbeutet
werden.
In die Anfänge der 40er Jahre fiel auch der weitere Ausbau
des Vereinsheimes.
Dann kam ein tiefer Einschnitt in der Vereinsgeschichte.
Der 2. Weltkrieg brach aus. Auch unser Verein wurde von den
Kriegsereignissen nicht verschont. Das noch kurz zuvor
erweiterte Vereinsheim wurde bis auf die Grundmauern
zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter vielen
Entbehrungen in den Nachkriegsjahren.
In diesen Jahren vergrößerte sich die Wasserfläche der
Kiesgrube Bürgel. Es wurde wieder ausgebaggert und
zusätzlich ein Grundstück der Casella-Farbwerke mit
einbezogen.
Durch die Erweiterung konnte nun auch weiteren
Sportkameraden die Möglichkeit geboten werden, ihrem Hobby
in Stadtnähe nachzugehen. 1957 wurde auf Wunsch der
Casella-Farbwerke der
ASV Frankfurt-Fechenheim Mitpächter des Schultheiß-Weihers.
In den 60er Jahren erfolgte dann auch der weitere Ausbau
des Vereinsheims.
Die Bemühungen um ein weiteres Gewässer im
Einzugsgebiet von Offenbach blieben nicht erfolglos. Die
Stadt Heusenstamm verpachtete uns 1960 für 12 Jahre die
Kiesgrube des Grafen von Schönborn in der Gemarkung
Heusenstamm. Jedoch litt unsere Sportausübung hier
besonders im Sommer durch Badegäste und wurde später
zusätzlich durch die Ausweisung als Vogelschutzgebiet
eingeschränkt.
Deshalb kam man bereits zu diesem Zeitpunkt im Vorstand zu
dem Schluss, dass künftig wohl nur Eigentum die Gewähr
bietet, den Angelsport weitgehend unbeeinträchtigt ausüben
zu können.
Der berechtigte Anlass zu diesen Überlegungen zeigte sich
dann auch 1972.
Der Verein verlor die Fischrechte an dem Heusenstammer
Gewässer, da das betreffende Areal durch das Land Hessen
als ornithologisches Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde
Es ist dem Vorsitzenden Oskar Kühnle verdanken,
dass in den Folgejahren der Traum vom Gewässereigentum
verwirklicht werden konnte.
Zunächst gelang durch seine Initiative in den Jahren
1969-71 der Ankauf von 3,7 ha landwirtschaftlichem Gelände
und teilweisem Brach und Sumpfland in der Gemarkung Nieder
Gründau und Langenselbold. Der Vorsitzende führte in diesen
drei Jahren langwierige und zeitaufwendige Verhandlungen
mit den insgesamt einundzwanzig Parzellen-Eigentümern und
konnte diese letztendlich mit einem notariellen Kaufvertrag
abschließen.
Die Planung sah nun vor, auf diesem Gelände eine
Teichanlage auszuheben. Innerhalb der gegebenen
Möglichkeiten und gesetzlicher Auflagen wollten wir diese
nach eigenen Vorstellung anlegen. Doch es sollte anders
kommen. Nach abgeschlossener Planung, kurz vor Baubeginn,
machte uns das Land Hessen erneut einen "Strich durch die
Rechnung". Unsere kurz zuvor erworbenen Grundstücke wurden
in das Naturschutzgebiet Gründau Aue einbezogen und damit
die Durchführung des Projektes vereitelt. Damit war auch
das Gelände für die vom Verein geplanten Zwecke wertlos
geworden. Der Wunsch nach einem "Eigentumsgewässer" war
zunächst gescheitert. Das Land Hessen bot dann dem Verein
eine Entschädigung an, deren Höhe jedoch unter unseren
Aufwendungen lag.
Der Vorsitzende bemühte sich weiterhin um
zusätzliche Gewässer, und 1973 gelang ihm die Anpachtung
des Kessler Gewässers in Babenhausen. Diese Kiesgrube hatte
noch keinen Fischbestand und wurde von uns wegen der
ausgezeichneten Wasserqualität zunächst mit Zandern und
Weißfischen, später mit Forellen und Karpfen besetzt.
Sieben Jahre später, 1980, konnten wir einen Teilbereich
der Kiesgrube Schumann anpachten, weiche damals direkt an
das Kessler Gewässer angrenzte. Durch weitere Auskiesung in
den folgenden Jahren wuchs die Wasserfläche unserer
Pachtgrundstücke auf 5 ha an.
In diesem Jahr sollte dann auch endlich der Wunsch aller
Mitglieder in Erfüllung gehen. Der Erwerb eines
eigenen Gewässers. Der Verein konnte das Wasser und
Fischereirecht an der Kinzig (3,1 km zwischen Rothenbergen
und Langenselbold) für beide Uferseiten käuflich erwerben.
Diesem Kauf schloss sich bereits 1982 ein weiterer an. Wir
konnten an unserem bisherigen Pachtgewässer Schumann für
die Parzelle 242 das Eigentum erwerben und für Parzelle 243
eine Kaufoption erlangen, die wir 1988 einlösten. Dies war
nur dank der Hilfe vieler Mitglieder möglich, die dem
Verein ein zinsloses Darlehen zur Verfügung
stellten.
In den Folgejahren wuchsen die Gewässer durch permanente
Auskiesung zu einer stattlichen Seenplatte zusammen, deren
Wasserfläche heute ca. 20 ha beträgt. Diese räumliche
Entwicklung bedingte eine geordnete Bewirtschaftung des
Gesamtgewässers. Für unseren Verein allein wären optimale
Besatzmaßnahmen, sowie Instand und Sauberhaltung der
Uferzonen und Wege nicht möglich gewesen.
So pachtete 1988 der mit uns befreundete
Angelsportverein Frankfurt Fechenheim-Bischofsheim das
Südufer dieser Seenplatte, die inzwischen "Kieselsee"
getauft wurde. Die erfolgte Kooperation unserer Vereine
ermöglichte und sichert die gemeinsame Bewirtschaftung
zunächst bis zum Jahre 2005.
Um an diesem See die anteiligen Besatzkosten weiter zu
reduzieren, beschloss der Verein den Bau eines
Fischzuchtgeheges. Die Anlage wurde in den letzten Jahren
erfolgreich betrieben, musste jedoch aus Gründen der
weiteren Auskiesung z.Zt. eingestellt werden.
Die Vereinsaktivitäten beschränken sich jedoch nicht auf
die bislang aufgezeigten Unternehmungen.
Darüber hinaus nimmt der Naturschutz einen breiten Raum in
unserem Wirken ein. Schon sehr frühzeitig (und vor dem
Erlass des Bundesnaturschutzgesetzes) entwickelten wir
Aktivitäten auf dem Gebiet des Umwelt, Natur und
Gewässerschutzes. Die Sportfischer gehören nicht umsonst
dem Naturschutzbund nach § 29 an, auch wenn dies manchen
"Naturschützern" ein Dorn im Auge ist.
So wurde 1968 durch unsere Initiative nach langen
vorhergehenden Behördenbesprechungen und durch Einschaltung
des Regierungspräsidenten in Darmstadt die Renaturierung
des Altarmes der Kinzig bei Rothenbergen erreicht.
Der Altarm wurde durch die Anrainer als Mülldeponie benutzt
und mit Schrott, Haus und Industriemüll etc. verfüllt.
Gemeinsam mit der Gemeinde Rothenbergen wurde der Altarm
dann gesäubert. Im finanziellen Bereich entlasteten wir die
Gemeinde mit 20.000,- DM an den Gesamtkosten von 55.000,-
DM. Als manuellen Beitrag verrichteten unsere Mitglieder
zahlreiche Arbeitsstunden. Dieser Altarm ist heute Biotop
für Vögel, Insekten, Lurche und Fische, die hier
hervorragende Brut und Laichplätze finden.
Dass dies keine Einzelmaßnahme war, möchten wir noch an
einigen anderen Beispielen verdeutlichen.
Der an dem Pachtgewässer Kleinostheim in den Anfängen
bestehende doch recht karge Baumbestand wurde in
Eigenleistung aufgeforstet und in der Uferregion durch
Büsche ergänzt. Dies nicht nur zum Nutzen der Angler,
sondern auch der heimischen Tierwelt. Als an diesem
Gewässer in den Jahren 1977 und 1992 der Wasserstand, durch
mehrere Faktoren bedingt, extrem absank, schritt unser
Verein regulierend ein. In einem beispiellosen Einsatz
pumpten wir 1977 mit Hilfe mehrerer Feuerwehraggregate ca.
20 Millionen Ltr. Mainwasser in den Teich und retteten die
Fische. Eine ähnliche Situation trat 1992 ein, die
wir nach dem gleichen Verfahren lösen konnten.
Erwähnenswert sind auch die Rekultivierungsarbeiten am
Kieselsee in Babenhausen, die 1989/90 durchgeführt wurden.
Die Uferböschung in Höhe der Parzelle 242 wurde mit ca.
1.200 Bäumen und Büschen bepflanzt, und bringt eine
Bereicherung des vormals eintönigen Landschaftsbildes und
für Vögel und Tierwelt Nist und Schutzplätze. Diese
Neuanpflanzungen werden nach Beendigung der Ausbaggerung
und Uferneuanlegung fortgesetzt.
Diese Beispiele zeigen, dass wir Sportfischer, in der
Öffentlichkeit medienpolitisch oft gerügt und angeprangert,
erhebliche Beiträge für Natur, Umwelt und Gewässerschutz
leisten.
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Teil 3 1994 – 2004
folgt später